Adjunktives Hormonpflaster lindert Symptome bei Schizophrenie
aerzteblatt.de
Ein Estrogenpflaster, das üblicherweise zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden eingesetzt wird, hat in einer randomisierten Studie in den Archives of General Psychiatry (2008; 65: 955-960) die Positivsymptome bei der Schizophrenie gelindert.
Dass Östrogene einen Einfluss auf mentale Erkrankungen haben, wird seit langem vermutet. In den letzten Jahren kamen eine Reihe weiterer stichhaltiger epidemiologischer Studien hinzu, welche schließlich Jayashri Kulkarni von der Monash University in Melbourne veranlassten, die Auswirkungen von Estrogenen bei einer Gruppe von prämenopausalen Patientinnen mit Schizophrenie zu untersuchen.
102 Frauen, darunter 73 in ambulanter Behandlung, erhielten ein transdermales therapeutisches System (TTS), das bei der einen Hälfte der Frauen Estradiol freisetzte. Bei den anderen Patientinnen enthielt das Pflaster ein Placebo. Die Therapie erfolgte zusätzlich zu der antipsychotischen Therapie, auf die jedoch eine Reihe von Patientinnen nicht angesprochen hatte.
Vor diesem Hintergrund erzielte das TTS tatsächlich eine Wirkung. Sie war zwar auf die Positivsymptome (zum Beispiel Denkstörungen, Wahn, Halluzinationen) begrenzt, während sich die Negativsymptome (zum Beispiel dynamische, kognitive oder motorische Ausfälle) nicht besserten.
Kulkarni hofft, dass eine längere Therapie – die Studie war auf 24 Wochen beschränkt – auch die Negativsymptome bessern könnte, was allerdings erst in einer Nachfolgestudie zu beweisen wäre. Zu klären wäre auch noch der Wirkungsmechanismus. Es gibt zwar Östrogenrezeptoren im Gehirn. Deren Einfluss auf mentale Leistungen werden jedoch erst ansatzweise verstanden.