Hallo,
ich habe folgendes Problem: und zwar scheint es ganz
fürchterlich für mich zu sein, zu akzeptieren, dass ich erwachsen werde
- oder bereits bin (ich bin jetzt 22 Jahre alt), zumindest auf dem
Papier. Nach der Schulzeit begann ich meine erste Ausbildung, die ich
nach wenigen Monaten wieder abbrach. Die Ausbildung war an sich okay,
aber ich wurde schnell unzufrieden; so unzufrieden, dass ich eine
heftige Aversion gegen die ganze Geschichte entwickelte und schließlich
mit Depressionen zu Hause saß. Beim zweiten Versuch, nochmal zur Arbeit
zu gehen, verfuhr ich mich ständig mit meinem Auto auf dem Weg dorthin
und kam wieder heulend zurück. Zu guter Letzt entschied ich mich doch
dafür, abzubrechen und es ging mir etwas besser.
Natürlich schleichte sich darauf hin das heftige Gefühl von Nutzlosigkeit ein, da ich ja keiner Beschäftigung nachging, die mir
Sinn geben könnte.
Zwischenzeitlich
hatte ich 2 verschiedene Jobs, mit denen ich auch unzufrieden war.
Einen davon kündigte ich selber und den zweiten konnte ich nicht einmal
mehr ausführen, da die Arbeitgeber schon im Vornerein beim
Probearbeiten merkten, dass ich sehr halbherzig an die Sache ran ging.
Zum
letzten Jahresviertel 2009 begann ich erneut eine Ausbildung. Mich
überrannten dieselben Gefühle wie beim ersten Mal - nur etwas heftiger.
Während der Berufsschulzeit allerding ging es mir jedoch gut. Ich war
sehr gut im Unterricht, weil es interessant ist, doch die Praxis machte
mir irgendwie eine unerklärliche Angst. Die daraus folgenden
Depressionen waren um einiges schlimmer; die Ausbildung versuchte ich
trotz allem weiter durchzuziehen. Ich gab Alles darauf, meine Gefühle
und Launen zu vertuschen - was mir meines Erachtens sehr gut gelang -,
dennoch bemerkten die Ausbilder, dass ich nicht glücklich bin und
kündigten mich nach der Probezeit.
Nach der "wieder errungenen Freiheit" durchlebte ich quasi für wenige Tage eine euphorische Phase und mir ging es wieder besser.
Beim
nächsten Versuch einen Job nachzugehen, passierte mir wieder soetwas.
Ich war sehr motiviert, freute mich auf den Job, fuhr hin, bekam Panik,
war sehr gereizt weil ich keinen Parkplatz fand und fuhr weinend und
aggressiv nach Hause, von wo aus ich die Arbeitsstelle anrief und
mitteilte, dass ich nicht kommen konnte. Somit vergeigte ich mir wieder
eine Chance.
Ich habe mich schon oft gefragt, weshalb und wovon
diese Gefühle überhaupt kommen und was mich wirklich stört. Mein
Verstand sagt mir "man muss sich seiner Arbeit nunmal beugen, muss Geld
verdienen", doch mein Inneres oder Unterbewusstsein scheint was anderes
zu sagen (darauf wies mich meine Therapeutin hin). Ich glaube, ich will
irgendwie nicht arbeiten gehen, obwohl ich will. Das klingt sehr
paradox und es ist nicht so, dass ich faul bin, da ich gerne helfe und
es mag, sinnvolle Arbeit zu leisten. Irgendwas widerstrebt mir.
Zu meiner Schulzeit ging es mir recht gut und seitdem ich
draußen
bin, verläuft mein Leben wie im Chaos. Ich bekomme nichts hin, bleibe
stehen, kann meine Ziele nicht erreichen; dabei scheine ich mir selbst
im Weg zu stehen.
Meine Mutter vermutet, dass ich eine
Schwellenangst habe und im Innern nicht erwachsen werden möchte. Als
sie das so sagte, merkte ich, dass sie Recht hat. Ich trauere oft "den
alten Zeiten" hinterher und äußerte sogar vor wenigen Tagen einmal den
Wunsch, dass ich alles dafür geben würde, wieder 12 Jahre alt zu sein.
Es
ist sehr auffällig, dass ich Aversionen entwickel, sobald ich etwas
Neues anfangen will. Und das stört mich -verstandesgemäß- sehr in
meinem Plan, mein Leben anständig fortzuführen.
Meine Frage
dazu: Gibt es unter Euch Personen, die Ähnliches durchlitten oder
Schwellenangst haben? Könnte diese Sache uA einer möglichen ADS
zugrunde liegen?
Ich sage
mögliche ADS, weil bei mir
noch nichts diagnostiziert wurde.
Knapp
zu meiner Person: Ich habe als Kind die ersten 5 Jahre meines Lebens
nicht mitbekommen (so beschreibe ich es immer). Ich war ein sehr
ruhiges, verträumtes Kind; befand mich nur in meiner eigenen Welt und
interessierte mich nur für mich und allem, was
in mir geschah.
Im Kindergarten, so erzählte mir mein Vater, verkroch ich mich sofort
in meine gewohnte Lieblingsspielecke, wo ich für mich alleine spielte.
Sobald sich wer dazugesellen wollte, um mitzuspielen, fühlte ich mich
in meiner Beschäftigung gestört (krisch, jammerte, pienzte oder weinte,
um den Eindringling zu vertreiben). Es war generell schwer für die
Erzieherinnen, mich überhaupt in irgendwelche Gruppen oder
Veranstaltungen mit zu integrieren.
Zur Schulzeit war ich auch noch
sehr verträumt, sehr sehr langsam und unaufmerksam. Heute ist es nicht
mehr so heftig. Ich schätze seit dem ersten Schulwechsel wurde alles
besser - die Unkonzentriertheit und Unaufmerksamkeit blieben; genauso
wie Tagträumerei.
Meine Eltern (ich mache ihnen deshalb keinen
Vorwurf) sorgten sich nicht darüber und dachten, es wäre mein
charakterliches Wesen, so verträumt zu sein, welches sich mit den
Jahren entwickelt und bessert. Das Einzige, was sie mal testeten, waren
meine Gehirnströme am EEG, da sie vermuteten, ich hätte vielleicht
Absencen (wegen meiner scheinbar unnatürlichen Trägheit als Kind) und
da mein kleiner Bruder damals sowieso regelmäßig ein EEG bekam (er hat
Epilepsie) war das eine gute Gelegenheit, mich mal mittesten zu lassen.
Ohne Befund.
Ich habe mich schon in die Materie des ADS und ihre
Formen etwas eingelesen und es gibt viele Faktoren, die auf mich
zutreffen. Besondere Faktoren, die immer ziemlich weit "oben" genannt
werden, wie "schlechte" Motorik & Vorstellungskraft sowie
Rechtschreibschwäche, passen allerdings absolut garnicht zu mir. Soviel
zu dieser These.
Ich hoffe, Jemand weiß Rat für mich und mein unentbehrliches Kind in mir, welches mir stetig meine Pläne verreißt.
LG,
Robin